Leseprobe "Gebete einer Heilerin"

Gebete einer Heilerin von Teresa SchuhlWarum haben wir, wenn wir verliebt sind, das Bedürfnis, dem Menschen, den wir über alles lieben, immer wieder zu sagen: >>Ich liebe dich <<? Weil wir im Herzen sind und unser Herz mit Liebe überläuft. Weil wir durch die Kraft der Liebe ständig kraftvolle Energie erschaffen. Und genau diese Liebesenergie strahlt aus uns heraus wie tausend Lichter. Unsere Welt erscheint uns leichter und friedlicher.

Alles, was wir anfangen, gelingt uns. Wir sind in der Liebe. Wir sind in Gott.

Auf eine ganz besondere innige Weise führt uns Rumi, der große persische Sufi-Dichter des dreizehnten Jahrhunderts, in sein Verhältnis zu Gott ein. In vielen seiner Gedichte offenbart er den Schöpfer als den ewig Geliebten. Und er selbst hat nie aufgehört, den Geliebten zu suchen, um sich mit ihm zu vereinen.

Es gibt keine Befreiung für die Seele als sich zu verlieben.
Sie muss sich zuerst unter die Liebenden mischen.
Nur Liebende können den beiden Welten entrinnen -
dies wurde so in die Schöpfung geschrieben.
Nur vom Herzen aus kannst du den Himmel erreichen.
Die Rose der göttlichen Herrlichkeit kann nur im Herzen erblühen.

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Leseprobe "Vom Geist des Heilens"

Vom Geist des HeilensWas Heilen ist...

Geistiges Heilen oder Heilen aus der Kraft des Bewusstseins kann von so vielen Seiten her in seiner Bedeutung erklärt werden, dass eine Definition in ein oder zwei Sätzen schwierig ist. Geistiges Heilen ist Zuwendung und Trost, Beratung und Erklärung, die Vermittlung von Sinnaspekten für Krankheit und Leid, für das persönliche Leben, und am Grunde der menschlichen Existenz geschieht Heilen über eine Berührung mit höheren Schichten unseres eigenen und im letzten des höchsten und göttlichen Bewusstseins, dessen Spuren jeder von uns in sich trägt. Diese zu erkennen und sie uns aus tiefen Wesensschichten heraus vertraut zu machen, darin liegt der eigentliche Sinn des Heilens.

Geistige Heilen (= Heilen aus der Kraft des Geistes) lässt sich in seinem Vollzug weitgehend, aber nicht vollständig erklären mit Erkenntnissen der neuesten Physik, die uns aufgrund von Forschungsergebnissen internationaler Spitzenphysiker in die unendliche Welt der subatomaren Teilchen (Quanten) einführen, welche die Grenze zum Geistigen längst überschritten haben. Ebenso überschreiten sie mit ihrem Verhalten alle Grenzen unseres konventionellen Verständnisses und beeinflussen auf geheimnisvolle Weise die Funktionsabläufe, die sich in Mikro- und Makrokosmos von den Atomen bis zu den Galaxien und bis zum gesamten Weltall vollziehen. Von unseren Gedanken gesteuert wirken sie auch auf krankhafte Veränderungen unseres Körpers oder unserer Psyche ein, Prozesse, die durch positive Emotionen wie Liebe, Dankbarkeit, Vertrauen und Vergebung verstärkt werden. Außerdem kommen uns beim Verständnis des Heilens Erkenntnisse der neuen Forschung über Gehirn und Bewusstsein zu Hilfe, die unsere Vorstellungen geistigen Geschehens in den zentralen Zugangsbereichen zu unseren Selbstheilungskräften stützen und hier und da auch konkretisieren können.

So stehen uns zur Beantwortung der Frage, wie denn Geistiges Heilen „funktioniert“, durchaus und in reichem Maße auch naturwissenschaftliche Fakten und Untersuchungsergebnisse zur Verfügung (s.u.). Der zentrale Schlüssel zum Verständnis jedoch liegt in den innersten Schichten unserer Persönlichkeit, und das bedeutet für viele Heiler die Anbindung an die spirituellen Schichten ihres tiefen Inneren….

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Wir haben erfahren, dass die Liebe die höchste aller Emotionen ist und dass keine Emotion sonst unsere Gedanken in ihrer realitätsbildenden Kraft so unterstützt. Wir haben heutzutage die wissenschaftlichen Erklärungsmodelle dafür, wie Wirklichkeit entsteht und wie wir Wirklichkeit beeinflussen können und haben mit verfolgt, wie sich Spiritualität und Naturwissenschaft in diesem Bereich unserer Existenz treffen.

So lässt sich nun aus all diesen Voraussetzungen folgendes Gesamtkonzept herleiten, was die heilende Kraft unserer Gedanken und Emotionen anbelangt:
Unsere Gedanken haben insofern die zentrale Rolle im Heilungsgeschehen, als sie sich bis in die körperliche Wirklichkeit hinein verdichten können. Diese realitätsbildende Kraft kann durch Emotionen erheblich verstärkt werden, von denen die höchste Emotion die Liebe ist. Sie unterliegt nicht dem alles umfassenden System der Polaritäten, sondern befindet sich in der Neutralposition zwischen Plus- und Minuspol der Polarität. Und daraus wird zwingend deutlich, dass die Liebe die zentrale Kraft des Heilens darstellt, wobei wiederum die Wirkung der von uns eingebrachten Liebe von der göttlichen Liebe beflügelt und vollendet wird. Diese Liebe reicht über jede geographische Grenze hinaus, sie erfüllt die gesamte Schöpfung, und jedes Lebewesen kann sie verstehen auf Erden und im Universum. Sie ist die zentrale Kraft unserer Evolution, durch sie transformiert erheben wir uns zu den höchsten Stufen, die unser Bewusstsein während und nach unserem irdischen Leben je wird erreichen können.

Und ob wir mit dieser ursprünglichen Kraft physiologische Veränderungen im kranken Körper bewirken oder ob wir die Selbstheilungskräfte eines Menschen aktivieren oder Klärungen im Bereich seines Selbst herbeiführen oder ihm helfen Schatten in seiner Seele aufzulösen, das alles sind nachgeordnete, keine prinzipiellen Fragen, doch auch sie werden von der erlösenden Kraft der Liebe beantwortet.

Wenn aber die Liebe eine solch zentrale Rolle spielt in diesem Prozess des Heilens und Geheiltwerdens, wie können wir uns dann im Dienste unserer therapeutischen Bemühungen an das energetische Muster heranarbeiten, welche Geisteshaltung, welche innere Bereitschaft ist erforderlich? Wir müssen uns diese Fragen stellen, denn im Bereich des ‚Bewusstseinsheilen‘ haben wir ja keine materielle Hilfe, kein Skalpell, keine Chemie, keine im orthodoxen Sinne der Medizin physikalischen Heilweisen. Wir haben ja ‚nur‘ unser Bewusstsein aus dem Geistigen heraus, wir haben nur die Palette unserer Gefühle und besonders unseres Mitgefühls und der Liebe.

Wo also können wir den Begriff Mitgefühl einordnen, der in einer gewissen Nähe, aber doch in einer anderen Dimension als die Liebe angesiedelt ist? Denn mir scheint Liebe schließe Mitgefühl ein, aber Mitgefühl muss nicht gleichzeitig mit der Liebe begrifflich übereinstimme

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An diesem Morgen kam ich gegen neun Uhr in meine Praxis. An der Rezeption sah ich eine kleine, zierliche Frau stehen. Im Vorbeigehen begrüßte ich sie kurz. Sie war sehr schlank, sportlich gekleidet und trug ihr schwarzes Haar kurz geschnitten. Sie hatte asiatische Gesichtszüge. Sie stammt aus China, dachte ich, und mit starkem Akzent begrüßte sie mich. Als ich zehn Minuten später in ihrem Zimmer erschien, lag sie schon auf der Liege und hatte sich eine Decke bis zur Nase hoch gezogen. Leise Meditationsmusik erklang aus der Tonanlage des Raumes, und die Lampe in einer kleinen Wandnische verbreitete sanftes, warmes Licht. Ich zog mir einen Hocker neben ihre Liege, setzte mich neben Sie und schaute sie an.

„Ich hatte vor vier Jahren Brustkrebs, aber die Ärzte haben ihn beseitigt. Und jetzt ist er wieder neu gekommen. Und ich habe Schmerzen in den Rippen und hier oben,“ sagte sie und fasste sich mit der Linken in den Nacken.
„Und die Ärzte, die mich jetzt behandeln, haben runde Herde gefunden in den Rippen und der Halswirbelsäule, und sie glauben, es sind Metastasen.“

Sie versuchte deutlich zu sprechen, denn das Deutsche kam ihr nicht so flüssig über die Lippen. Auf der Karteikarte sah ich ihr Alter: fünfzig Jahre. Sie sah jünger aus. Sie hatte jetzt die Augen geschlossen, aber auf ihrem Gesicht zeigten sich doch die Spuren einer langen Wanderung durch eine absolut lebensbedrohliche Krankheit, durch Schmerzen und Enttäuschungen. Ich umfasste mit beiden Händen ihre Schultern und sagte mit recht leiser Stimme: „Der unendliche und allmächtige Gott überflute Dich mit dem heilenden Licht seiner göttlichen Liebe.“ Nach einigen Sekunden spielte ein Lächeln um ihre Lippen, während ein paar Tränen zwischen ihren geschlossenen Lidern hervortraten. Kurz danach öffnete sie die Augen, aber nur ein wenig, so als fürchte sie, wieder ganz in die Gegenwart einzutauchen, und dann sagte sie leise: „Ich glaube an den großen Weltengeist. Sie nennen ihn Gott, aber es ist derselbe große Geist.“ Und dann sagte sie langsam, während sie hinter jedem einzelnen Wort eine kleine Pause machte:
„Gott ist mit sich zufrieden. Er lächelt.
Er ruht in sich selbst, und ich ruhe in ihm.
Er hilft mir, weil er fühlt, was ich fühle.
Spüren Sie das? Gott fühlt mit mir.“

Dann schloss sie wieder die Augen. Das Lächeln auf ihrem Gesicht blieb. Vor meinem inneren Auge standen sofort Verse aus einem Gedicht von Teresa: „Ich schrie, ich weinte, doch Gott ließ mich nicht allein. Er weinte mit mir viele Tränen - Tränen der göttlichen Liebe. Sie wurden Nahrung in mir für ein neues Leben.“

War das der Grund, warum wir durch unser Leid gehen? Weil im Leid Gott auf uns wartet? Eine andere Erinnerung stand plötzlich vor mir. Was hatte vor dreißig Jahren der französische Chansonier in Paris gesungen? Es war in einem überfüllten Bistro im Quartier Latin. Ich weiß es nicht mehr genau, aber sein Text lautete ungefähr so:
„Unsere Theologen und andere gelehrte Köpfe streiten an der Sorbonne über das Wesen Gottes, während Jesus in einem Hospiz von Bett zu Bett geht und den Sterbenden zu trinken gibt und sie tröstet.“

Das also waren die Botschaften an diesem Morgen. Sie hatten mir in aller Klarheit und Einfachheit gezeigt, was Mitgefühl ist: Nichts zum Philosophieren, nichts zum Analysieren, nichts zum Diskutieren. Mitgefühl ist eine Sache des Fühlens, des Helfens, des Tröstens. Im Mitgefühl begegnen wir unseren Menschengeschwistern und in ihnen Gott – dem großen Weltengeist der kleinen Dame aus China.