Fragen an die Autoren

Teresa Schuhl
Fragen    Zum Buch "Wüstenmädchen"

Dr. W. Bittscheidt
Fragen    Leseprobe "Vom Geist des Heilens"

Ein Interwiew mit Teresa Schuhl

Frau Schuhl, würden Sie sich dem Leser bitte in ein paar Sätzen vorstellen?

Teresa SchuhlIch bin in Tadschikistan geboren und aufgewachsen. Diese Kultur prägte mein Wesen und das Verständnis für Mystik und Spiritualität in einer völlig anderen Art, als das in der westlichen Kultur üblich ist. Den heiligen Glauben im Verborgenen zu ehren und tief im Herzen zu leben - das erfuhr ich durch die alten Frauen, die sich heimlich zum Gebet trafen. Sie schulten ihre Heilkunst und den Umgang mit der Geistigen Welt in der Stille - ohne viel Theatralik, aber mit viel Respekt und Ehrfurcht. Ich begriff, dass diese Welt sich nur dem offenbart, der eine bestimmte Reife des Glaubens erreicht hat, nicht durch den Intellekt. Ohne viele Worte vermittelten sie mir unbewusst, dass die geistige Welt und die Welt der Menschen sich nicht trennen lassen, und dass in ihr wunderbare verborgene Kräfte weilen, die alles Erdenkliche hervorbringen können. Wie die alten Kulturen die geistige Welt mit einbezogen in jeden Prozess des Lebens, so beziehe ich sie auch in mein Leben und meine Arbeit mit ein.

Der Begriff „geistige Welt“ ist ja mittlerweile ein Modewort geworden. Können Sie bitte definieren, was Sie darunter verstehen?

Die geistige Welt ist zunächst all das, was wir mit unseren normalen menschlichen Sinnen nicht wahrnehmen können. Im Einzelnen umfasst dieser Begriff die Welt der Verstorbenen und die Welt von Geistwesen, die Sphären der Engel und die Sphären aller verborgenen Kräfte, und schließlich das Göttliche. In der westlichen Kultur wurde alles, was mit geistiger Welt zu tun hat - gerade im 17. bis zum 19. Jahrhundert - radikal über Bord geworfen, während in alten Kulturen der Umgang mit der geistigen Welt mit hoher Ehrfurcht gepflegt wurde. In der heutigen Zeit ist das Bedürfnis nach den „geistigen“ Dingen längst wieder im Aufwärtstrend, wie der intensive Glaube an Engel, die zunehmende Spiritualität und schließlich der Zuspruch zu aller Art geistiger Heilweisen erkennen lässt.

Ist dies eine Form von Energie?

Nun, das ganze Universum besteht aus Energie, natürlich auch das rein Geistige, das uns umgibt. Ich habe mich nie intensiv mit den Erklärungsmodellen befasst, um den Begriff "Energie" zu erläutern - das können viele gute Wissenschaftler sicher besser als ich. Doch es hindert mich nicht daran, Energien wahrzunehmen und sie in ihrer Form und Essenz zu unterscheiden oder sie zu verändern. Mir ist vor allem bewusst, welche Macht Energien haben können, Gutes ebenso wie Schlechtes verursachen zu können.

Sie sind Heilerin geworden, ohne es eigentlich zu beabsichtigen. Nun kenne ich Leute, die glauben, in Wochenend-Workshops Heiler werden zu können. Wie sehen Sie das?

Wenn wir aufrichtig im Herzen auf spiritueller Suche sind, können Seminare, Bücher und Workshops in uns einen Impuls auslösen, doch die tiefe Wandlung und Läuterung unseres Herzens erleben wir in der Stille und Zurückgezogenheit unserer Seele. So werden Schmerz und Leid oft zum Anker, der das umhertreibende Schiff unseres Wesens zur Ruhe bringt. Wie wohl jeder Mensch, so lernte auch ich durch Schmerz und Verzweiflung die schwierigsten Lektionen meines Lebens kennen und lernte, meine unliebsamen Eigenschaften anzunehmen und zu wandeln. Ich begriff, dass kein Lehrer im Außen diese Wandlung in mir vollziehen kann. Dies vollzieht sich in der Reife meines Verlangens nach Gott.

So glaube ich, dass wir nicht Heilerin oder Heiler werden können, nur weil wir es wollen und schon gar nicht durch persönlichen Ehrgeiz. Erst wenn das Heilige in uns wach wird, können wir Heilerin oder Heiler werden. So ist der Weg zur Heilerin eigentlich der Weg zum Heiligen in uns, und unsere Aufgabe besteht darin, diesen Pfad in der Welt der Täuschung nicht zu verlieren, auch wenn die Verlockung oft sehr stark ist.

Haben viele Menschen heutzutage nicht auch sehr romantische Vorstellungen von einem Leben als Heiler oder Heilerin?

In unserer heutigen Zeit haben wir in vielen Dingen romantische Vorstellungen. Es ist noch nie so einfach gewesen, alles zu besitzen was wir wollen, und unsere Wünsche haben sich noch nie so einfach und so schnell erfüllen lassen wie heute. Haus, Auto, materieller Luxus - alles ist auf Knopfdruck zu bestellen. Und so werden auch scheinbar spirituelle Wünsche erfüllt. Wir kaufen uns Heilung, Erleuchtung und ein Diplom zum Heilen. Doch Gott und die Gabe jeder spirituellen Kraft lässt sich niemals kaufen. So lehrten uns Buddha, Jesus, Krishna und viele weise Lehrer. Sie alle warnten uns vor genau dieser Zeit, sich in den Wünschen der Welt zu verlieren. Wir schmücken uns heute nur zu gern mit Worten wie Achtsamkeit, Demut und Spiritualität, doch die tiefen Lehren und ihre wahren Bedeutungen, die dahinter stehen, setzen wir oft nicht um.

Bei den Naturvölkern hatte das Heilen den Status des Sakralen. Denken Sie, dass das heute anders ist?

Wie schnell verlieren wir das Interesse an einer Sache, die wir uns kaufen, wenn sie überall zu bekommen ist. Wie schnell ist der Wert des dritten Spielzeugs wertlos, wenn wir ihn in unserem Besitz haben. In Tadschikistan war die Süße einer Tafel Schokolade unbeschreiblich für uns - wie göttlicher Nektar. Doch wer freut sich heute noch über eine einfache Tafel Schokolade? Wenn wir die Christus-Energie in Flaschen und das Heilige auf DVD´s glauben kaufen zu können, und es nicht im eigenem Erleben begreifen, dann verlieren wir die Achtung und die Ehrfurcht vor dem Sakralen. Auch wenn sich die Entdeckung der eigenen Spiritualität in einem so rasantem Tempo vollzieht, wie wir es heute oft beobachten, und wenn überall selbsternannte Erleuchtete wie Pilze aus dem Boden schießen, so werden das wahre Heilige und die wahre Erleuchtung niemals einfach zu erreichen sein, sondern uns lange verborgen bleiben.

In Ihrem Buch geht es um Ihren Lebensweg, um die Überwindung vieler Lebenskrisen hin zu einem sinnerfüllten Leben. Wie geschah es, dass Sie zur Heilerin wurden?

Jede Biographie eines Menschen prägt seinen Charakter, formt seine Gedanken und führt ihn schließlich zu seinem eigenem Werk. Im Lieben und Leiden, im Verlieren und Finden, im Weinen und Lachen lernt der Mensch sich selber kennen, begreift er sein inneres Wesen, findet Lösungen für seine Lebensaufgaben, wirft seine Last ab, um zu seinem tiefsten inneren Selbst aufsteigen zu können - zu seiner Seele. Die tiefen und oft schmerzhaften menschlichen Erfahrungen wird uns das Zeitliche nicht stehlen, wenn wir die Erde verlassen. Diese Erfahrungen sind ein Schatz, den wir nicht zurücklassen müssen wie den irdischen Besitz.

Wenden wir unsere Aufmerksamkeit den Lehren vom Heilen und Heilwerden zu früh zu, werden in erster Linie Verstand und Ego geschult, die nur zu gern miteinander Hand in Hand gehen. Dann ziehen sich die Seele und ihre Partnerin, die Intuition, zurück, und uns bleiben die wirklich wertvollen Lektionen, die nur unser Lebensweg uns bieten kann, unentdeckt. Wenn wir jedoch der leisen Stimme unserer Seele lauschen und wenn die Intuition uns führt, offenbaren sich uns die Praktiken und Techniken zur richtigen Zeit von selbst. Alles wird dann zur Heilung - denn in jeder Emotion, in jedem Gedanken und in jeder durchlebten Situation, die das Herz öffnet und die Seele berührt, liegt Heilung. Sehen Sie, genau da spricht mein Buch über Heilung.

Sie haben auf Ihrem Weg zu sich selbst die Höhen und Tiefen der menschlichen Seele erfahren. Bei Naturvölkern haben die Heiler und Schamanen ebenfalls sehr dramatische Biografien, geprägt von Krankheit und Einsamkeit, bevor sie als Heiler tätig sein können. Ist das eigentlich die Regel?

Die Lehren Jesu oder Buddhas fordern alle Menschen auf, den inneren Heiler zu suchen, und diese Lehren haben ewige Gültigkeit. Es liegt an uns und unserem freien Willen, dem heiligen Ruf zu folgen.

Doch nicht jede Seele ist bereit, durch Schmerz und Leid, Krankheit und Einsamkeit zu gehen und sich aus dem Rad der immer wiederkehrenden Lektionen zu befreien. Auch wenn nicht jeder Mensch zum Heiler, Schamanen oder Guru wird, der durch Höhen und Tiefen gegangen ist, so wird doch jede Seele, die den schmerzhaften Weg der Läuterung gegangen ist, ein Aufgabe übernehmen können, die der gesamten Menschheit dient. So ist die Aufgabe einer Altenpflegerin oder Putzfrau, eines Busfahrers oder Sanitäters, eines Greenpeaceaktivisten, der sein Leben in Gefahr bringt, um die Natur der Erde zu erhalten, nicht geringer einzuschätzen als die Tätigkeit einer Heilerin. Im Dienst des Lebens zu stehen, ist gleichzusetzen damit, Gott zu dienen, egal mit welcher Berufung.

Das habe ich auch in meinem Buch betont: Gott verteilt keine bevorzugten Gaben. Alles ist Gabe, was dem Menschen, den Tieren und der übrigen Natur dient.

Wenn Sie in Resonanz gehen mit dem Leid und dem Schmerzen ihrer Mitmenschen ist das sicher auch ein sehr anstrengender Prozess. Wie schützen Sie sich, damit Sie nicht die Energien Ihrer Patienten aufnehmen?

Ich gehe nicht in Resonanz mit den Menschen, sondern in Resonanz mit dem Heiligen. Bin ich in der Liebe, so fühle ich, weil die Liebe offen ist für das Leid, ohne selbst Schaden zu nehmen. Wenn ich einen Menschen berühre, berührt es mich und ich nehme die Botschaft seiner Seele wahr. Die Seele des Heilers bedarf keiner eigenen Erfahrung des fremden Schmerzes, um Mitgefühl zu entwickeln, sie ist göttlichen Ursprungs. Nur unser Ego muss lernen, mitzufühlen.

Die Kunst des Heilens ist zu lernen, alles zu seiner Zeit zu offenbaren, alles dem Atem des Lebens zu überlassen. Die Kunst liegt darin, im Heilen nicht heilen zu wollen, Gebet zu sein und nicht Gebete zu formulieren - und vor allem, in Demut zu knien und in Erhabenheit sich zu erheben, um zu empfangen. Die Weisheit liegt nicht im Lernen und Forschen, sie liegt im Beobachten des richtigen Augenblicks.

Das klingt, als hätten Sie ein sehr vielschichtiges Klientel: Heiler, Ärzte, ganz normale Bürger. Welche Menschen kommen zu Ihnen und wie finden diese zu Ihnen?

Krankheiten orientieren sich nicht daran, welcher sozialen Schicht wir angehören oder welchen Beruf wir ausüben. Wir identifizieren uns zu stark mit dem, was wir haben und nicht mit dem, wer wir in Wirklichkeit sind. Und so ist die Krankheit bei jedem zu Hause, der nicht seine wahre Natur lebt - sei er Arzt oder Anwalt, Masseur oder Manager, Richter oder Reinigungsfrau, Mönch oder Marktfrau. Ein kranker Mensch wird zum Suchenden. Und auf dieser Suche nach Heilung aktivieren wir Impulse in uns, die uns nicht nur zur Schulmedizin, sondern weit darüber hinaus zu unseren Selbstheilungskräften führen. Ebenso können die aktivierten Impulse die Grundlagen unserer Vorstellung vom Heilsein ganz neu ordnen.

Wie erklären Sie sich das zunehmende Interesse von Schulmedizinern an Ihrer Arbeit?

Hört und liest man nicht an jeder Ecke, dass unsere Welt im Wandel sei auf allen Ebenen unserer Kultur und unserer Gesellschaft? Dieser Wandel vollzieht sich in einem so rasanten Tempo, dass es einem den Atem verschlägt. Leider ist die Schulmedizin oft sehr zögerlich, heraufziehende neue Perspektiven zu erkennen. Ich höre oft, dass Patienten ihren Hausarzt auffordern, auch mal andere Heilmethoden kennen zu lernen - und immer wieder erzählen Krebspatienten, sie hätten Angst, ihrem Onkologen mitzuteilen, dass sie gleichzeitig zur Chemotherapie auch ganz unabhängig davon zu einem Heiler gehen.

Andererseits gibt es bewundernswerte Pioniere unter den Ärzten, die ihre traditionellen Therapieformen durch alternative Formen des Heilens ergänzen. Akupunktur, Homöopathie, Kinesiologie und Heilen über das Bewusstsein zum Beispiel sind Methoden, die in der Schulmedizin nicht fehlen dürften. Sie sind effektive Hilfsmittel auf dem Weg der Heilung. Deshalb gründeten Dr. Wolfgang Bittscheidt und ich die Ärzteakademie für Geistiges Heilen, um Ärzte an diese Form des ganzheitlichen Heilens heranzuführen.

Es geht auch, und das wird ein spiritueller Arzt am ehesten erkennen, nicht in jeder Lebensphase darum, das Leben um jeden Preis zu verlängern, sondern auch dem Patienten zu einem würdigen Sterben zu verhelfen, wenn der Zeitpunkt dazu gekommen ist.

Es heißt, die Hoffnung stirbt zuletzt. Spielt die Hoffnung auf dem Weg zum geistigen Heiler ebenfalls eine große Rolle?

Wenn wir im Göttlichen wurzeln, dann kann die Hoffnung in uns nicht sterben, denn sie ist der göttliche Hafen in uns, sie ist der Wind der uns immer trägt. Wenn wir begreifen, was Hoffnung in Wirklichkeit ist, werden wir keine existentielle Angst mehr empfinden. Die Hoffnung ist die treibende Kraft in uns, das Suchen nicht aufzugeben. Sie ist die Kraft, die das Ruder unseres Lebens herum werfen kann, sie ist eine Urkraft in uns, die Unmögliches möglich macht. Der kranke und verängstigte Mensch trägt tief in sich den Impuls, sich genau an diese Kraft der Hoffnung zu klammern, um nicht ohnmächtig zu werden. Sogar dem Tod kann man mit Hoffnung begegnen. Das ist das, was ein Heiler im Kranken aktiviert. Ich glaube, von Hoffnung getragen können wir all das in Frieden loslassen, was uns belastet.

Frau Schuhl, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Das Interview führte Doris Iding (Redaktionsbüro München)

Das Buch "Das Wüstenmädchen" von Teresa Schuhl erschien im Scorpio Verlag

Vom Geist des Heilens. Ein Interview mit Dr. med. Wolfgang Bittscheidt

Buch vom Geist des Heilens

Scorpio-Autor Dr. med. Wolfgang Bittscheidt über die Hintergründe seines Buches "Vom Geist des Heilens" und seine Erfahrungen als Mediziner mit der Heilkunst.

Scorpio: Wann hatten Sie Ihre erste persönliche Erfahrung mit geistigem Heilen?

Dr. med. W. Bittscheidt: Vor ziemlich genau 15 Jahren - als Patient. Ich hatte eine chronische Infektionskrankheit, an der sich die Schulmedizin vergeblich versucht hatte. Ohne zu wissen, was ein Heiler überhaupt macht, suchte ich ihn auf - aus reiner Verzweiflung sozusagen. Und er konnte mir tatsächlich ganz durchgreifend helfen.

Scorpio: Wie hat der "Schulmediziner" in Ihren darauf reagiert?

Dr. med. W. Bittscheidt: Erstaunt und fasziniert zugleich. Was wirkte da.... Magie? Gebet? Übernatürliche Kräfte des Heilers? Jedenfalls spürte ich einen Zipfel in meinem Leben sich zeigen aus einer unsichtbaren Welt, zu filigran, zu fein um für unsere westliche Medizin einsichtig oder gar berührbar zu sein. Dieser Hauch aus jener anderen Welt hat mich nie mehr losgelassen.
Wenn Sie jemals in Ihrem Leben das fahle Licht unter der Mitternachtssonne im hohen Norden gesehen haben, das lässt Sie dann auch nicht mehr los. Und es war dieser Impuls, diese stille Sehnsucht, die mich später zusätzlich zu meinem Arztberuf zum Heiler werden ließ.

Scorpio: Bezeichnen Sie sich selbst heute als Geistheiler?

Dr. med. W. Bittscheidt: „Geistheiler“ ist als Begriff die Irreführung an sich!!! Es klingt nach Verstorbenen und Magie. Und in der Öffentlichkeit werden mit dieser Bezeichnung alle Vorurteile wachgehalten, die man ohnehin oft noch gegen das "Geistheilen" hat. Und Mediziner sehen sich in allem bestätigt, was mir einmal ein Funktionär der Deutschen Ärztekammer zum Thema Heilen sagte: "Heilen, das ist doch irgendwas zwischen Schamanismus und katholisch". Als alternativen Begriff also biete ich an: Heiler, energetischer Heiler, spiritueller Heiler, Heiler mit den Möglichkeiten des Bewusstseins.

Scorpio: Wie ist Ihnen die persönliche Integration Ihrer Fähigkeiten als energetischer Heiler gelungen?

Dr. med. W. Bittscheidt:Ich versuchte meine ersten Schritte als Heiler zu integrieren, indem ich in meiner tagsüber vollen Facharztpraxis in den Abendstunden von 19 bis 21 Uhr einzelnen Patienten die Hände auflegte, am liebsten heimlich. Aber dann fragte ich mich: Was machst Du eigentlich hier? Spielst Du heimlich Theater? Wenn Du glaubst, es ist Deine Aufgabe, dann mach's richtig. Dann steh dazu und heile die Menschen, und zwar als Arzt und als Heiler. Integrieren als sanfter Übergang ging für mich nicht. Manche Heiler-Kollegen berichten von solchen „sanften Übergängen“, aber mein Weg war es nicht. Ich hab ganz neu anfangen müssen. Irgendwie hat sich dabei eins aus dem anderen ergeben. So, wie sich der Übergang darstellte, hätte ich ihn selbst nicht geplant und nicht planen können. Er war viel zu untypisch und unkonventionell für ein eigentlich etabliertes Leben, und ich musste mächtig „unten durch“.

Scorpio: Sie haben selbst eine schwere Krankheit erlebt und sich sowohl schulmedizinisch behandeln als auch von einer Heilerin begleiten lassen. War die Heilerin während dieser Phase für Sie sehr spürbar? Wenn ja, wie?

Dr. med. W. Bittscheidt: In den ersten 14 Tagen lag ich auf der Intensivstation und war immer wieder bewusstlos, gerade in der ersten Woche, oder ich habe sehr tief geschlafen. Die subtilen Schwingungen einer anwesenden Heilerin wahrzunehmen, dafür hatte ich keine einzige Zelle meines Inneren frei. Aber ich bin sicher, alles von dem, was sie gedacht, gefühlt oder gebetet hat, war nicht umsonst, alles hat geholfen, meine Selbstheilungskräfte zu neuem Leben zu erwecken. Der Weg durch diese Zeit beanspruchte trotz der absolut perfekten schul- bzw. intensivmedizinischen Betreuung so unendlich viel Kraft, dass ich es ohne den ständigen Kontakt zu den geistigen Kraftquellen nicht geschafft hätte.

Scorpio: Woran können wir erkennen, dass es das Geistige ist, was heilt und nicht das Ego, das etwas möchte?

Dr. med. W. Bittscheidt: Das Ego vermag nicht zu heilen. Egostrukturen sind philosophisch und theologisch und nach bester esoterischer Lehre reine Illusion. Betreten wir einen höheren Bewusstseinsraum, was idealerweise beim Heilen geschieht, lösen sich die Egostrukturen auf oder werden zumindest durchschaubar. Bestenfalls vermögen sie Impulse zu geben, aber Heilung geschieht in einer anderen Dimension.

Heilung geschieht in den tiefsten Schichten unseres Selbst, in denen wir das Geistige berühren, in denen unser Bewusstsein auf Impulse aus einem viel höheren Bewusstsein zurückgreift, ich möchte sagen auf Impulse aus dem Bereich des Göttlichen. Naturwissenschaftler haben nachgewiesen, in welchen Schichten unseres Bewusstseins und unserer höchsten Emotionen schöpferische und damit auch heilende Kräfte entstehen, und wie so oft decken sich ihre Feststellungen mit dem, was die Mystiker die Menschheit seit einigen tausend Jahren lehren.

Tatsächlich steuern Sie mit dieser Frage auf eines der größten Geheimnisse des Heilens zu, nämlich auf den Bereich, in dem sich tiefe Spiritualität und neueste Naturwissenschaft berühren und einander erklären und vollenden.

Wenn wir Heilung erfahren, dann werden wir von Kräften außerhalb der greifbaren Wirklichkeit berührt. Viele Menschen weinen, wenn sie diese Kräfte spüren. Sie treffen uns oft in der Mitte unserer menschlichen Existenz, oft nicht einmal im Bereich unserer körperlichen Symptome. Wir werden im Innersten berührt und verwandelt, und von da öffnet sich dann häufig der Weg in den körperlichen Bereich der Krankheit.

Scorpio: Wie kann jeder von uns wieder in Kontakt kommen mit unserem tiefsten innersten Wesen und dem Heiler in uns?

Dr. med. W. Bittscheidt: Ich glaube, das ist die Frage schlechthin für unser persönliches Leben in der heutigen Zeit und in unseren westlichen Gesellschaften.

Lassen Sie uns erst kurz erwägen, was wir für die Reise zu unserem tiefen innersten Wesen nicht brauchen. Bedürfnisbefriedigung, Reizüberflutung, Stillung unserer Begierden, totaler beruflicher oder persönlicher Wettbewerb, Oberflächlickeit als Lebensprinzip und ständiger Lärm, all dies wird uns mit Sicherheit von unserem tiefen Inneren abschneiden. Übrigens hängen diese Begriffe recht unmittelbar mit unseren Egostrukturen zusammen, siehe oben.

Der Weg in die Innerlichkeit scheint nicht unbedingt attraktiv auf den ersten Blick. Es ist ein Weg in die Stille, ein Weg der Meditation, in gewisser Hinsicht der äußerlichen Selbstbeschränkung, ein Weg des Dienens und ein Weg, der nicht ausschließlich nach den eigenen Bedürfnissen, sondern nach denen unserer Mitmenschen fragt. Es ist ein innerlicher Weg, der über das Niedere demütig erhaben ist, ein Weg zu kostenlosen Kostbarkeiten, und je weiter ich ihn gehe, umso klarer und erfüllender wird er. Ob er uns schließlich den Weg zu dem „Heiler in uns“ öffnet, das wird sich für jeden einzeln entscheiden. Aber einen anderen Weg dahin als über unsere innersten Schichten gibt es einfach nicht.

Scorpio: Was ist die häufigste Frage, die Ihnen gestellt wird?

Dr. med. W. Bittscheidt: Das hat sich in den letzten Jahren wesentlich geändert. Früher wurde mit sehr viel Skepsis gefragt, und die häufigste Frage lautete: „Kann denn sowas überhaupt helfen?“ Aber Geistiges Heilen ist viel mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gelangt, wird immer mehr ernsthaft diskutiert und auch immer mehr in Anspruch genommen, und die häufigste Frage, die uns heute gestellt wird, lautet ganz einfach „Können Sie mir helfen?“. Und viele Menschen beantworten diese Frage gleich selbst: „Ich wusste immer, dass mir nichts anderes mehr helfen würde.“

Scorpio: Wo sind Ihre Grenzen in Bezug auf Geistiges Heilen? Ist das von Fall zu Fall unterschiedlich?

Dr. med. W. Bittscheidt: Die Grenzen beim Geistigen Heilen werden mir von zwei Richtungen her gesetzt: von mir selbst und vom Patienten her.

Sie kennen doch das Wort, dass der Glaube Berge versetzt. Ohne Vertrauen auf die göttliche Hilfe wird mir keine Heilung gelingen (das gilt jedenfalls für mich), ebenso wenig ohne liebende Zuwendung zum Patienten, ohne ein mich Hineinversetzen in seine tiefsten Bedürfnisse oder ein Erspüren seiner inneren Not. Um dazu in der Lage zu sein, müssen Sie wohl selber menschliches Leid und menschliche Tiefen und Verirrungen kennengelernt und oft auch durchlitten haben.

Ich weiß, dass heute sehr viele Menschen andere heilen wollen, weil sie es attraktiv finden, weil es sich so gut anfühlt, weil es einem den Hauch von etwas Exklusivem verleihen soll. Aber aus dieser Motivation führt wohl kaum jemals der Weg in Richtung Heilen. Der Weg, glaube ich, muss immer auch ein Stück erlitten werden, so ernüchternd das klingen mag. Jedenfalls lief es in meinem persönlichen Leben so und ebenso bei vielen Heilerinnen und Heilern, denen ich begegnet bin.

Daneben mag sein, dass Patienten sich durch ihre eigene innere Haltung vom Heilerfolg ausgrenzen. Wenn man als Patient nicht bereit ist sich fallen zu lassen, wenn man die Kontrolle durch seine Gedanken nicht loslassen kann und seine Zweifel ängstlich hütet, dann entsteht der Boden nicht, auf dem heilende Kräfte aus dem Bewusstsein wirksam werden könnten. Übrigens gibt es auch dafür physikalische Untersuchungen, die solche Zusammenhänge bestätigen. Und dennoch: auch hier sind oberstes Prinzip Glaube und gute Emotionen.

Scorpio: Wer in Ihnen heilt?

Dr. med. W. Bittscheidt: Gott – und die besten, von Liebe getragenen Kräfte meines Bewusstseins. Und da jede Liebe im Universum göttlichen Ursprungs ist, kann ich diese Frage mit einem einzigen Wort beantworten: Gott heilt.

Das ist meine Wahrheit. Wenn Sie einen chinesischen Chi Gong –Meister fragen, wird er Ihnen vielleicht etwas ganz anderes sagen. Wir können auch sagen: die höchste Energie des Universums heilt. Oder: das höchste Bewusstsein heilt. Dann müssten wir an dieser Stelle Gott definieren, oder das höchste Bewusstsein, das für unsere Wissenschaften (wie überhaupt das Wesen des Bewusstseins) ein ungelöstes Rätsel ist.